Grüße aus dem Home Office.

Hamburg zeigt sich heute wieder von seiner besten grauen Seite. Es regnet und ab dem späten Nachmittag ist Unwetter angesagt. Ich freue mich jetzt schon endlos auf die Abendrunde mit dem Hund – nicht.

Seit gestern bin ich im Home Office. Gestern fühlte ich mich, abgesehen von den letzten ein, zwei Stunden, zehn mal produktiver als im Büro. Heute hänge ich durch. Müde, Rückenschmerzen. Und vom Wetter gedrückte Stimmung. Ich dümpelte zwei Stunden unkonzentriert an meinem aktuellen Projekt vor mich hin und entschied mich dann für eine halbe Stunde Schlafen, in der Hoffnung mich danach besser zu fühlen. Ich kam aber kaum zur Ruhe und döste am Ende bloß 10 Minuten. Nur der Hund lag neben mich gekuschelt und schlief und träumte und wackelte dabei mit seinen Pfoten. Im Gegensatz zu mir liegt er immer noch auf der Couch und döst vor sich hin. Hund müsste man sein.

Ursprünglich wollte ich heute den vollen Tag arbeiten. Inzwischen habe ich entschieden nur noch die Übersichtspläne für das Projekt fertigzustellen und es dann für heute gut sein zu lassen. Am Nachmittag werde ich noch mal einen Blick in die Mails werfen, ob mein Chef endlich geantwortet hat oder ob etwas dringendes zu tun ist. Ansonsten lasse ich den Tag wohl einfach sein und mache es mir gemütlich. Mir geht sowieso viel zu viel durch den Kopf, als dass es heute noch groß besser werden würde.

Meine Mama wurde – relativ kurzfristig aufgrund freier Kapazitäten – bereits am Freitag an der Leber operiert. Seitdem heißt es jeden Tag, dass sie am nächsten auf Normalstation verlegt wird. Bisher hat sie sich immer noch gemeldet, also wird sie wohl immer noch auf der Intensivstation liegen. Ihr Blutdruck machte wohl etwas Probleme, aber nachdem sie gestern noch mal eine Blutkonserve bekommen hat, sollte es eigentlich besser werden. Abgesehen davon habe ich eine nicht unbedingt kürzer werdende To-Do-Liste mit diesem ätzenden Erwachsenenkram im Hinterkopf. Vorsorgetermine machen, mich näher über die Preisänderung bei meiner Bank und ggf. einen Wechsel informieren, Krankenkasse für nach dem Studium aussuchen… Ich will eigentlich auch noch dringend einer Freundin schreiben, aber irgendwie fehlt mir entweder die Zeit oder der Kopf dafür. Wir kennen uns erst seit letztem Jahr, haben aber mindestens alle paar Tage eine Nachricht geschrieben und uns all 1-2 Wochen mal getroffen. Das letzte mal habe ich sie im Februar gesehen. Bei ihr war viel mit der Uni zu tun und es hatte dann auch mal etwas länger gedauert, bis sie geantwortet hat. Das war dann aber trotzdem immer noch super ausführlich. Seit Mitte März nun keine Nachricht mehr. Sie ist eigentlich nicht der Typ dafür, gar nicht mehr zu antworten und ich mache mir Sorgen, dass irgendwas passiert ist, weswegen es ihr nicht gut geht. Da will so eine Nachricht auch gut formuliert sein.

Abgesehen von diesem ganzen anderen Kram, läuft es bei mir und F. irgendwie auch nicht mehr so rund. Schon eine Weile nicht, im letzten Sommer hatte er kaum Zeit, dann fing es an bei mir stressig zu werden. Corona hat sein übriges getan, sodass wir die letzten Monate zwar quantitativ viel Zeit zusammen verbracht haben, aber kaum mal etwas unternommen haben. Das fehlt uns irgendwie sehr. Wir haben drüber geredet und ich hatte eigentlich das Gefühl, dass wir wieder auf einem ganz guten Weg sind, aber die letzten zwei, drei Wochen ist es wieder sehr sehr zäh. Natürlich ändert sich sowas nicht innerhalb von ein, zwei Monaten, nachdem man es so lange hat schleifen lassen. Aber ich wäre irgendwie froh drum, wenn ich mir nicht auch noch über meine Beziehung Gedanken machen müsste.

Sei’s drum. Ich arbeite jetzt noch einen Augenblick und morgen sieht die Welt dann sicher schon wieder viel besser aus.

Weiter.

Irgendwie geht es immer weiter.

Heute ist ein guter Tag. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass mein letzter Tag im derzeitigen Büro ist, bevor am 01.04. mein neuer Vertrag beginnt. Oder am Wetter. Oder an all den positiven Dingen, die so passiert sind oder noch anstehen.

Am Dienstag haben M. und ich nun endlich den Bericht zu unserem Gründachprojekt abgegeben. Ich glaube, der ist ziemlich gut geworden. Abgesehen davon war das meine letzte Abgabe, abgesehen von der Bachelorarbeit. Gestern hatte meine Mama dann ihre letzte Bestrahlung. Inzwischen hat sie sehr mit den Nebenwirkungen zu kämpfen, aber das wird ja zum Glück auch bald besser. Ende April geht es dann mit den Untersuchungen zur Leber-OP weiter und Mitte Mai kommen die Untersuchungen zum Behandlungserfolg.

Seit drei Tagen scheint hier die Sonne fast den ganzen Tag. Ich freue mich jeden Morgen und Abend daran wie lange es inzwischen hell ist. Als ich heute morgen vom Bahnhof den letzten Kilometer bis zur Arbeit mit dem Leihrad gefahren bin, hat es sich zum ersten Mal nach Sommer angefühlt. Es hat nach Sommer geklungen und gerochen und mit dem wolkenlosen Himmel über den Altbauten war klar: bald wird es Sommer. Und darauf freue ich mich sehr.

Am Wochenende werde ich die erste „Reise“ seit einer Ewigkeit antreten. Ich fahre für drei Tage zu A. nach Bonn. Seit sie vor anderthalb Jahren aus unserer WG ausgezogen ist, haben wir uns erst zwei Mal gesehen. Die Vorfreude ist also sehr groß!

Generell gibt es gerade viel Vorfreude – selbst auf die Bachelorarbeit. So langsam wird es real, dass das Studium bald vorbei ist. Ich hoffe noch nächsten Monat meine Arbeit anmelden zu können und dann sind es bloß noch drei Monate. Außerdem kommen bald noch zwei Seminare zum Thema Bewerbungsgespräch und Einstiegsgehalt/Arbeitsvertrag vom Career Development Center der Uni. Bald bin ich dann tatsächlich Ingenieurin. Und ab Oktober hoffentlich auch Teilzeit-Studentin.

Hallo Bachelorarbeit.

Es geht voran. Die Prüfungen sind geschafft, lediglich der Vortrag morgen und die beiden schriftlichen Ausarbeitungen stehen noch an. Die mündliche Prüfung lief gestern wirklich gut, ich habe sogar mit 1,3 bestanden. Das ist zwar definitiv deutlich besser, als mein tatsächliches Wissen und Verständnis in der Vorlesung, aber es war eine sehr einfache und dankbare Prüfung und die Bewertung äußerst nett. Die Noten der beiden Klausuren stehen noch aus, der Rest ist auch schon bewertet und bewegt sich ebenfalls im Bereich gut bis sehr gut. Damit ist dieses doch sehr fordernde Semester so gut wie abgeschlossen.

Für die Bachelorarbeit ist nun auch alles geklärt. Mein Prof wird sie betreuen (yey!) und nun warte ich nur noch auf Antwort von meinem bald-wieder-Chef, ob wir das mit dem Werkstudentenvertrag noch diesen Monat schaffen. Ende nächster Woche müsste ich dann nämlich meine Kündigung abgeben. Ich freue mich, wenn es dann bald los geht, aber ich freue mich auch die nächste Zeit viel Freizeit zu haben und wieder regelmäßiger arbeiten zu gehen. Auf Antwort aus Stuttgart warte ich auch nach wie vor, aber das läuft ja zum Glück nicht weg.

Auch ansonsten läuft es ganz gut. Mein Bücherstapel ist gewachsen und wartet darauf gelesen zu werden. Damit werde ich jetzt auch bald wieder gut voran kommen. Mit dem Sport klappt es ebenfalls ganz gut, heute war ich trotz rutschiger Eisbahn auf den Wegen im Stadtpark laufen. Das erste Mal seit zwei Monaten und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage: ich hab’s echt vermisst und es war toll. Anstrengend, aber toll. Vielleicht kann ich für das Wochenende ja auch meinen Papa zu einem kleinen Lauf überreden oder ein Workout machen, denn die versuche ich nun auch regelmäßiger einzubauen. Außerdem hat eine Freundin mir ihren ungenutzten Hula Hoop Reifen geschenkt, sodass ich mich diesem Trend jetzt auch anschließen kann 😄

Finale.

Es geht in die letzte Klausurenphase meines Bachelorstudiums (also die hoffentlich letzte). Alle semesterbegleitenden Tests sind geschrieben, die Abschlussprüfungen in Wahrnehmungspsychologie und Hydroakustik sind abgegeben. Das Roboterauto trat 10 Minuten vor Prüfungsbeginn endlich seinen Dienst an (nach einer Nacht und Nebel Aktion mit programmieren bis Mitternacht und zwei Fahrten nach Lübeck um bei Kommilitonen Ersatzteile zu holen, unser Auto wollte nämlich lieber kaputt gehen als fahren). Auch wenn wir den Parkour nicht geschafft haben (Stichwort: kaputt gehen, uns fiel im zweiten Durchlauf ein Rad ab – aber unser Teamname war ja auch „Radlos“), haben wir bestanden und das ist die Hauptsache. Die ersten Noten sollten bald kommen und jetzt bleiben noch zwei recht anspruchsvolle Klausuren und die mündliche Prüfung in meinem Zweitversuch. Der Lernplan steht, die Motivation ist mit der Konzentration stiften gegangen. Aber irgendwie wird das schon.
Gegen das schlechte Gewissen durchs Nicht-Lernen habe ich gestern auch erstmal eine Stunde Übungen und Workouts gemacht und sitze deswegen heute mit Muskelkater am Schreibtisch. Wenigstens kann ich mich dann heute nicht mit Sport vorm Lernen drücken.
Heute muss ich auch noch eine E-Mail nach Stuttgart schreiben. Ich hatte dort an der Uni mal nachgefragt, was genau sie unter „qualifizierter berufspraktischer Erfahrung“ verstehen. Die Zulassungsvoraussetzung für den berufsbegleitenden Master in Ingenieurakustik. Eine unserer Laboringenieurinnen kam in den Master nämlich mit der Arbeit in unserem Programmier- und Signalverarbeitungskursen. Mit dem Akustik-Teil meines Studiums hat das nun nicht direkt zu tun und sie ist nicht von Haus aus Akustikerin. Ich hatte gehofft, dass vielleicht meine Ausbildung angerechnet werden kann und dazu soll ich nun eine Beschreibung der Ausbildung abgeben. Zu meiner Bachelorarbeit bin ich auch gerade in der Klärung. Es scheint, als gäbe es nun ein Projekt dafür, sodass ich nur noch die Details mit meinem bald-wieder-Chef klären muss. Im Postfach meines Lieblingsprofs wartet auch schon eine Anfrage zur Betreuung meiner Arbeit (in der Hoffnung, dass sie nicht untergeht, denn er ist saumäßig schlecht im Mails beantworten). Damit wären ein paar der Zukunftsfragen auch so gut wie abgehakt. Verrückt, dass diese Woche die letzten Vorlesungen in meiner Zeit als Vollzeitstudentin waren und ich in zwei Monaten schon an meiner BA sitze.

Von meiner Mama sind zum Glück auch ein paar gute Nachrichten zu vermelden. Die Lebermetastasen sind gut operabel und sie werden vermutlich nicht mal den kompletten Leberlappen dafür entfernen müssen. Am Donnerstag beginnt die Bestrahlung und Chemo (leider doch der Krebs, der Bestrahlung erfordert). Die Nebenwirkungen, insbesondere der Chemo, sollen doch nicht so krass werden wie erwartet. Hoffentlich bestätigt sich das auch so. Wenn alles klappt, ist Mama Ende März mit der Behandlung durch und der Tumor hoffentlich verschwunden. Eine OP steht nur noch als letzte Option auf dem Plan. Und seit letzter Woche steht endlich in den Behandlungsberichten nicht mehr palliativ, sondern kurativ. Auch wenn die nächsten Wochen und Monate hart werden, können wir nun etwas optimistischer sein.

Warten, die zweite.

Wir warten.

Und warten.

Und warten.

Der Termin beim Onkologen am Dienstag war nicht weiter aufschlussreich. Die Metastasen an der Leber sind ein fixer Befund, aber was den Tumor angeht, ist es bisher wohl doch nur eine Verdachtsdiagnose. Je nach Zentimeter-genauer Lage kann es sich um die eine oder die anderer Art Krebs handeln. Die eine behandelt man nur mit Chemo, die andere auch mit Bestrahlung. Immerhin war der Onkologe so frei gleich einen Leberspezialisten in Hamburg zu kontaktieren. Dieser schaut sich den Fall nun an und meldet sich bis Anfang nächster Woche zurück. Eine Leberbiopsie soll uns endlich eine Diagnose geben. Außerdem wird er wohl gleich abwäge, ob die Entfernung der Metastasen machbar ist. Ggf mit Radikal-OP, bei der gleich der ganze Leberlappen entfernt wird.

Nun sitzen wir also hier und warten weiter. Auf die Terminvergabe, dann auf den Termin und letztlich auf die Ergebnisse. Damit wir dann hoffentlich 5 Wochen nachdem klar war, dass Mama krank ist, endlich wissen was und wie es behandelt werden muss. Ich fürchte, im Warten müssen wir uns in den nächsten Wochen und Monaten wohl noch sehr üben.

Aber ich warte nicht nur, was Mama anbelangt. Auch wegen der Uni heißt es derzeit warten. Coronabedingt dürfen nur die Klausuren in Präsenz stattfinden, die zu Veranstaltungen im letzten Semester vor der Abschlussarbeit gehören. Bei mir eigentlich kein Problem, wären da nicht Lehrbeauftragte, die das noch nicht verstanden haben. Und der Zweitversuch aus dem 3. Semester, mit dem ich extra bis jetzt gewartet habe. „Signalverarbeitung und Messsysteme“ liegen mir zumindest in der Form, in der uns die Vorlesung vom Prof präsentiert wird, so überhaupt nicht. Üblicherweise hätte er jetzt die Altklausur geschrieben und auf die hatte ich gesetzt. Das wird dann nun eine mündliche Prüfung. Herzlichen Glückwunsch.

Was die anderen Fächer angeht, insbesondere die Präsentation unseres Projekts und den Programmierwettbewerb, gibt es noch nicht wirklich Info. Ich bin froh, dass ich meine Hausarbeit schon abgegeben und damit das Seminar erledigt habe. In Statistik habe ich heute den letzten Online-Test geschrieben, bis Ende Februar muss ich noch eine schriftliche Ausarbeitung einreichen, aber so ist diese Vorlesung quasi auch erledigt. In Maschinellem Lernen und Wahrnehmungspsychologie schreibe ich noch 1 bzw. 2 Online-Tests, die auch nicht weiter wild werden. Bleiben noch drei weitere Vorlesungen für die Neuigkeiten ausstehen.

Es ist für mich irgendwie kaum zu fassen, dass das Studium bald vorbei ist. Und ob der äußeren Umstände kann ich mir umso weniger vorstellen, wie das Leben ab Sommer oder Herbst als Berufstätige für mich aussieht.

Warten.

Dieses Warten kann einem so unfassbar lange vorkommen. Die Tage werden gefühlt immer länger und ziehen sich manches mal wie Kaugummi.

Nachdem meine Mutter nach Weihnachten ins Krankenhaus ging, durfte sie an Silvester wieder nach Hause. Es waren alle Untersuchungen abgeschlossen und die bisherige Diagnose bestätigt, die Konferenz der Ärzte sollte jedoch erst im neuen Jahr stattfinden. Es war schön, nicht alleine mit Papa daheim zu sitzen und auf ein „frohes“ neues Jahr anzustoßen. Am Dienstag war nun also besagte Konferenz. Und wir warteten und warteten auf einen Anruf aus der Klinik zum weiteren Vorgehen. Der Anruf kam nicht. Heute meldet meine Mutter sich dann dort. „Oh das tut uns leid, scheinbar hat der Arzt Sie vergessen.“ Prima. Was bei dem Gespräch herauskam? Sie beginnen erst mit der Chemo, die OP folgt später. Alles weiter erfährt sie bei ihrem Onkologen, bei dem sie zum Glück schon am Anfang der Woche einen Termin für nächsten Dienstag bekommen hat. „Haben Sie denn schon einen Port?“ Natürlich nicht. Die entsprechende OP wird erst in zweieinhalb Wochen stattfinden.

Während es also weiter warten heißt, weiß ich gar nicht so recht wohin mit mir. Ich habe das Gefühl, dass da irgendeine Verbindung zu mir selbst abgerissen ist. Auf die Frage wie es mir geht, weiß ich keine richtige Antwort. Irgendwie ist alles so wenig greifbar, zeitgleich bin ich extrem rastlos. Das letzte Mal geweint habe ich wohl zu Weihnachten. Ich kann inzwischen auch wieder halbwegs schlafen, aber mein Kopf verlangt ständig nach Beschäftigung. Zwar hatte ich mir für dieses Jahr vorgenommen mehr zu lesen, aber dieses große Verlangen danach es ständig zu tun, kommt definitiv woanders her. Ein Buch, das schon ewig angefangen herumlag, habe ich endlich beendet. Im nächsten sind schon die ersten 100 Seiten verschlungen. Heute Nachmittag hole ich mir noch Nachschub ab, den ich günstig über ebay gefunden habe, denn ich brauche einen Stapel Bücher hier, wenn das aktuelle ausgelesen ist.

Ich habe nach wie vor nicht viel Appetit, sodass ich ins „Intervallfasten“ gerutscht bin ohne das wirklich zu beabsichtigen. Aber mit meinem Hunger langen die zwei Mahlzeiten am Tag und zwischendurch noch etwas Obst oder ein paar der restlichen Weihnachtskekse locker. Meinen Tinnitus merke ich wieder stärker, obwohl das seit bestimmt schon einem halben Jahr sowieso viel regelmäßiger als früher der Fall war. In den Vorlesungen fällt es mir schwer zuzuhören und nicht abzudriften. Es war auch nicht allzu leicht diese Woche wieder reinzukommen, aber ich bin froh, dass wieder etwas mehr Routine da ist.

So kann ich also weder sagen, dass es mir schlecht ginge, noch, dass es mir wirklich gut ginge. Und während ich irgendwie so in der Luft hänge und mich mit meiner Familie im Warten übe, versuche ich die Uni in all dem Chaos unterzubringen. Ich mache mir deswegen keinen Druck, aber ich wünsche mir sehr dieses Semester zu schaffen. Also logge ich mich zu meinen Vorlesungen ein, mache Versuche und Protokolle, schreibe Hausarbeiten und Berichte und lerne für die Fächer, die mir etwas schwerer fallen. Und solange so viel Wartezeit da ist, wird das wohl auch irgendwie gehen.

Wie das Leben so spielt.

Es gibt Menschen, die haben es leichter im Leben als andere. Und dann gibt es Menschen, denen das Leben immer mal mehr, mal weniger übel mitspielt. Meine Mama ist eine von ihnen.

Gestern hat sie eine sehr schlechte Nachricht in Form einer ernsten Diagnose bekommen. Als ich heute daheim ankam, haben sie es mir sofort gesagt.

Zwischen Tränen, zitternden Knien und Übelkeit, versuchen wir uns irgendwie in Optimismus. Dennoch, das wird definitiv das (bisher) schlimmste Weihnachten aller Zeiten. Montag geht Mama ins Krankenhaus und dann erfahren wir, wie schlimm es wirklich ist und wie die Behandlung aussieht. Ich fühle mich unglaublich leer und gleichzeitig rasen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Was wäre, wenn?

Ein Leben ohne meine Mama ist absolut nicht vorstellbar. Das ist keine Option. Aber wenn einem das Leben übel mitspielt, hat man keine Wahl. Man trifft keine Entscheidungen, sondern muss die Dinge nehmen, wie sie kommen. Ob man nun will oder nicht.

Was wäre, wenn?

Was wäre, wenn alles gut geht?

Semesterzwischenstand.

Ein Mal aufatmen. Das Semester läuft aktuell tatsächlich besser als erwartet, auch wenn es trotzdem nicht sonderlich entspannt ist. Den Versuch für diesen Monat inklusive Protokoll habe ich fertig und abgegeben. Meine Literaturrecherche für Referat und Hausarbeit beende ich morgen. Für die statistische Ausarbeitung habe ich bereits ein Thema und Datensätze organisiert. Für die Fächer, in denen ich als Prüfungsleistung semesterbegleitende Tests schreibe, habe ich nun auch die Termine bekommen. Auch der eine Test am Semesterende ist schon terminiert, der Zeitraum der Prüfungsphase ist final festgelegt. Mir fehlen nur also für die Zeitplanung nur noch die vier Klausurtermine.

Es läuft also. Die meisten Tage sind okay, wenn notwendig, kann ich mir auch mal ein paar Stunden freinehmen. Die Dienstage, an denen ich arbeiten gehe sind lang, denn um 18 Uhr wartet immer noch eine Vorlesung auf mich. Das ist dann aber auch mit Abstand der „schlimmste“ Tag. Morgen wird es noch mal stressig, da ich nach der Vorlesung schnell auf den Markt und dann direkt zu einem Arzttermin muss. Von da aus fahre ich in die Gebärdensprach-Bibiliothek, danach noch ein paar Sachen in der Stadt organisieren und ab nach Hause, noch einen der besagten Tests schreiben. Bis nächste Woche stehen noch zwei freiwillige Übungen an, die ich gerne machen möchte. Die nächste Woche habe ich durch ein Präsenzlabor, einen weiteren Arzttermin – dieses Mal in Lübeck -, eine Verabredung zum Projektbericht schreiben, die üblichen Vorlesungen und das Nachholen von zwei Vorlesungen, die ich zeitlich nicht schaffe. Dafür bin ich am übernächsten Wochenende aber auch wieder bei meinen Eltern und nehme ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung mit.

Solange ich das Pensum weiter so gut im Blick habe, wie im Moment, wird das schon irgendwie gehen. Beim Programmieren bleibt es weiter spannend ob alles klappt und auch wie gut ich die Vorlesung zu meinem Zweitversuch nachgearbeitet bekomme. Das bleiben wohl die zwei Unbekannten in diesem Semester. Aber hey, in genau drei Monaten ist die Präsentation zu unserem Hörprojekt. Danach müssen nur noch der zugehörige Bericht und ggf. meine Hausarbeit und die Ausarbeitung abgegeben werden, alles andere ist bis dahin schon geschafft.

Letzte Male.

Dieses Semester ist eines der letzten Male. Das letzte Programmier-Projekt, die letzte Vorlesung, ein letztes Seminar… Hoffentlich. Solange ich alle Prüfungen bestehe, ist Semester 5 mein letztes Theoriesemester. Das Berufspraktikum ist schon als bestanden eingetragen, was dann noch fehlt ist die Bachelorarbeit.

Soweit so gut. Wäre da nicht das Stresslevel, das dieses Semester wohl ins unermessliche steigen wird und schon nach anderthalb Wochen Vorlesungszeit reichlich hoch ist. Ende des Monats muss ich ein Versuchsprotokoll abgeben. Im nächsten Monat steht ein weiterer Versuch an, sowie ein Referat zu dem ich auch noch eine kleine Hausarbeit bis Ende des Semesters abgeben muss. Im Januar muss der Bericht zu unserem Hörprojekt fertig sein, unsere Betreuerin will ihn dann noch mal Korrektur lesen. Im Februar muss unser Roboter-Auto, das mittels Sprachbefehlen gesteuert wird, zu einem Wettbewerb antreten. Das Hörprojekt muss vorgestellt werden. Ich schreibe drei Klausuren und zwei Tests und muss eine statistische Ausarbeitung abgeben. In einer Vorlesung schreibe ich 4 kleine Tests über das Semester verteilt. Neben all dem steht auch noch mein Werkstudentenjob an, der zwar aktuell nur einen Tag in der Woche einnimmt, aber das ist auch mehr als genug. Entsprechend viel muss ich aber an den anderen Tagen schaffen.

Gestern hetzte ich von Schreibtisch zu Arzttermin, in die Mittagspause, zu einem anderen Arzt und zurück an den Schreibtisch. Um 17.15 Uhr war dann nach 9 Stunden endlich Feierabend und ich vier Stunden später bereits komplett geplättet im Bett. Heute ging es nach dem Aufstehen zum Markt und bei der Bank eine kleine Angelegenheit klären. Von 10 bis kurz nach 19 Uhr saß ich dann – bis auf eine kleine Mittagspause – wieder am Schreibtisch. Morgen habe ich auch von 8 – 11.30 und von 14 – 15.30 Vorlesung. Dazwischen muss ich weiter an unserem Roboter programmieren und ein wenig Literaturrecherche für das Referat betreiben. Donnerstag bin ich nach meiner Morgen-Vorlesung in der Arbeit. Freitag stehen noch mal 2 Stunden Vorlesung und Physiotherapie an. Dann ist „Wochenende“, an dem ich auch weiter für die Uni arbeiten muss. Ich hoffe sehr, dass mir meine Kollegen Donnerstag sagen, dass ich nun ins Homeoffice kann. Der andere Werkstudent war es im ersten Lockdown auch und ich fahre jedes Mal je eine Stunde hin und zurück mit der S-Bahn… Nichts, was ich aktuell unbedingt brauche und vor allem wären das zwei Stunden jede Woche, die ich zum Ausgleich in Sport und Entspannung stecken könnte.

Es bleibt in jedem Fall spannend, wie alles weitergeht. Ich kann nur hoffen, dass alles glatt läuft, dass die Vorlesungen spannend und verständlich bleiben. Dass ich gut in der Vorlesung hinterherkomme in der ich im Febraur in den Zweitversuch gehe. Dass das Programmieren halbwegs gut funktioniert und wir voran kommen. Vieles wird die nächsten vier Monate zu kurz kommen, aber danach werde ich ordentlich ausspannen, bevor es in die Bachelorarbeit und die finale Phase des Studiums geht.

Urlaubswoche.

Nachdem ich vor fast einem Monat angefangen habe, als Werkstudentin zu arbeiten, habe ich nun so etwas wie Urlaub. Ich arbeite nur drei Tage die Woche und habe meine Arbeitstage für diese Woche auf die ersten drei Tage gelegt und fange nächste Woche erst am Mittwoch wieder an. Diesen Mittwoch habe ich mir spontan dann auch noch frei genommen. Denn eigentlich dachte ich, dass ich von meinem „Urlaub“ nicht so viel habe.

Donnerstag hatte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin um mir endlich die Spirale einsetzen zu lassen. Auf Hormone hatte ich schon lange keine Lust mehr, habe aber nie so richtig eine Alternative gefunden, weil ich vor besagtem Einsetzen und den damit verbundenen Schmerzen sehr großen Respekt hatte. Wie soll ich sagen – noch mal würde ich es wohl nicht machen. Meinem Körper war alles zu viel und er hat mich in die Bewusstlosigkeit befördert. Der Donnerstag war damit zwar gelaufen, denn auch als F. mich zweieinhalb Stunden später beim Arzt aufsammelte (eigentlich war der Plan, dass ich mit dem Zug zurück nach Hamburg fahre und er mich maximal vom Hauptbahnhof abholt – wie auch immer ich zu der grandiosen Idee kam) hatte mein Gesicht noch einen ähnlichen Farbton wie die weißen Praxiswände. Mit der ersten Wärmflasche und nachdem ich endlich etwas zu essen runter bekommen hatte, fühlte ich mich auch wieder halbwegs okay.

Gestern ging es mir dann erstaunlich gut (toi toi toi). Scheinbar hat mein Körper einfach alles mit einem Mal mitgenommen. Seither habe ich Hummeln im Hintern und muss mich zurücknehmen um auch mal eine Stunde auf die Couch zu gehen. Mehr als ein leichtes Ziepen erinnert nämlich nicht mehr an Donnerstag.
Heute werde ich also gleich losfahren zu einem Flohmarkt hier in der Nähe und später vielleicht noch an den Landungsbrücken spazieren gehen. Ein Spaziergang kam gestern nämlich zu kurz, nachdem ich lange im Bett gelegen hatte und F. über Mittag noch unterwegs war. Heute ist er arbeiten und bevor mir hier die Decke auf den Kopf fällt (bin ja schließlich noch die nächsten drei Tage zuhause) muss ich dringend raus.

Ich weiß sowieso überhaupt nicht, was mit mir los ist. Eigentlich habe ich mich immer gerne den halben Tag mit Filmen oder einem Buch auf die Couch gekuschelt. Vor allem bei dem grauen Hamburger Herbstwetter da draußen. Aktuell habe ich aber einfach nur extrem viel Energie. Ich habe endlich eine Reihe Arzttermine vereinbart, die ich wegen Corona und Umzug aufgeschoben habe. Mein neues Konto ist fertig eingerichtet und mit allen möglichen Dienstleistern verknüpft. Die Kündigung für das alte Konto muss ich am Montag bloß noch in die Post geben. Auch andere Erledigungen sind abgehakt. Es fehlt bloß noch ein wenig, was für die Uni zu tun ist. Aber dafür habe ich ja noch genug Zeit.
Auch ansonsten bin ich viel unterwegs. Seit ich hier in Hamburg eine Freundin gefunden habe, treffen wir uns eigentlich mindestens ein Mal die Woche für Unternehmungen. Übernächste Woche werden wir gemeinsam mit meiner besten Freundin und einigen ihrer Kommilitonen zu einem Quizabend gehen, den K. schon aus Lüneburg kennt.

Es ist alles gerade ziemlich gut so wie es läuft. Die Arbeit macht auch Spaß, ich habe inzwischen sogar ein ziemlich großes Projekt in Arbeit: der Umbau einer alten Mühle in ein Kulturzentrum mit Museum und Theater, bei dem wir mit der Bau- und Raumakustik beauftragt sind. So langsam freue ich mich tatsächlich auch wenn bald nach vier Monaten Pause endlich wieder die Uni losgeht. Das einzige was dazu noch fehlt sind die Information wann wir überhaupt anfangen und ein Stundenplan. Hoffentlich trudelt beides nun bald in meinem Postfach ein.