Vermissen.

Er sieht gut aus, wie er da vor mir steht, ein groß gewachsener starker Mann, in seiner dunkelblauen Uniform mit dem Gürtel, der unter der Jacke vorlugt und dem Holster um den Oberschenkel. Manchmal kann ich es gar nicht fassen, dass der zu mir gehört. Ich denke an den Tag, an dem ich ihn das erste Mal gesehen habe. Als er statt der Jacke diese Weste über dem T-Shirt trug, als er mit seinem schlacksigen Gang und diesem Blick, den er manchmal hat, auf mich zu kam. Der Moment in dem in mir diese klischeehafte Vorliebe für Männer in Uniformen geboren ist.
Sein Duft hängt noch in meiner Wohnung. Es riecht nach seinem Duschgel, seinem Deo. Aber es riecht auch nach Wärme und nach Geborgenheit, weil mir dieser Geruch sonst eigentlich nur dann in der Nase liegt, wenn er mich im Arm hält. Seit kurzem raucht er (wieder). Er höre bald wieder auf, sagt er. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch nie mit einem Raucher zusammen war, vielleicht an seinen Zigaretten, aber es ist mir zuwider. Nur jetzt, wo mein Herz so laut protestiert, dass hinter ihm die Wohnungstür ins Schloss gefallen ist, vermisse ich selbst das.

Es geht mir nicht gut. Ich weiß nach wie vor nicht, ob ich mich zwischenzeitlich einfach selbst belüge oder immer wieder in dieses Loch zurückfalle. Ob die Lockerheit zwischendurch eine Maske ist, die ich mir selbst abnehme, oder echt. Er weiß, dass etwas nicht okay ist. Wenn er fragt, schaffe ich es kurz, die Maske wieder aufzusetzen, doch sie bröckelt sehr schnell. Wir sind sehr ehrlich zueinander. Manchmal streiten wir. Etwas, dass ich bisher in meinem Leben kaum kannte, etwas, dass ich nie gelernt habe. Es ist nichts böses, nur oftmals sehr emotionsgeladen. Die Situation nagt an uns beiden. Selbst er weint manchmal, wenn es wirklich ganz besonders aussichtslos erscheint. Er, von dem ich mir sicher bin, dass das sonst so gut wie nie vorkommt. Es beruhigt sich schnell, aber wir sind dennoch ehrlich. Das macht es nicht immer leichter, aber das schätze ich an unserer Beziehung. Und eben auch, dass ich so ehrlich zu ihm sein kann, dass ich ihm sagen kann, wenn es mir nicht gut geht, und dass er aushält was und wie ich fühle. Auch wenn er meist weniger emotional ist. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb? – strahlt er eine große Ruhe aus. Er macht sich nicht zu viele Gedanken, er plant nicht 100 mögliche Szenarien im Kopf, er ist einfach hier. Versteht oft das Problem nicht, aber er ist da. Wir sind beide da, obwohl weglaufen für jeden von uns leichter wäre.
Es geht mir nicht gut. Und alles in mir protestiert, dass er schon wieder gehen muss. Bei ihm kann ich zur Ruhe kommen und ich hatte doch gerade erst damit angefangen. Als er gestern schon schlief, musste oder viel mehr konnte ich weinen. Und er schlief und schlief und das war okay. Einfach, weil ich endlich das rauslassen konnte, was in mir brodelt. Und weil ich nicht allein war. Er war einfach da. Und neben ihm zu schlafen, ständig aufzuwachen, aber uns dabei jedes Mal noch kuschelnd vorzufinden – was lange nicht vorkam, weil zu warm, zu unbequem oder einer krank – war viel zu schön, als dass ich jetzt wieder nächtelang darauf verzichten könnte.
Es geht mir nicht gut. Und diese Gefühlsachterbahn macht mich wahnsinnig. Ich ringe wirklich lange mit mir, bis ich es schaffe mich zur Uni aufzuraffen. Dabei tut es mir gut, nicht alleine zuhause zu sein. Generell ist es gerade schwer, mich zu irgendwas aufzuraffen. Für einen Moment will ich es sogar, denke mir „ja, das machst du jetzt!“, dann denke ich kurz an etwas anderes und sämtliche Motivation ist wieder verschwunden. Egal ob es nun darum geht endlich die Wollmäuse unterm Kleiderständer wegzusaugen oder mich mit einem guten Buch in die Sonne auf den Balkon zu setzen und den ersten schönen Frühlingstag hier zu verbringen. Zuhause ist mein Bett gerade mein safe place. Und dabei hab ich nicht mal große Lust auf Netflix und co. Schlaf und mein Handy sind die Hauptbeschäftigung. Bin ich aber in der Uni, lache ich mit meinen Kommilitonen, überlege ob wir gemeinsam Urlaubspläne schmieden und freue mich mit ihnen, dass die Idee eines eigenen Hochschul-Chors aufgekommen ist und sie da auch Interesse dran haben. Ich genieße die halbstündige Fahrradfahrt nach Hause, die Sonne im Gesicht. Überlege sogar noch, kurz abzubiegen und mir auf der Altstadtinsel ein Eis zu holen und am Fluss das Wetter zu genießen. Freue mich über das Angebot von M. vorbeizukommen, damit sie mir auch einen Smoothie macht. Lehne dann aber dankend ab, weil ich nicht die Kraft finde aus dem Bett aufzustehen und die 10 Minuten bis zu ihr zu fahren. Bin ich nicht durch irgendwas abgelenkt ist alles irgendwie anstrengend und schwer und zäh.

Ich würde gerne einfach wieder mehr Leichtigkeit verspüren. Und ich hoffe, dass die Sonne jetzt wieder mehr scheint und es bis in die dunklen Ecken meiner selbst schafft und dort ein bisschen Licht und Wärme spendet. Und dass die Uni wieder etwas mehr Routine bringt und ich mich wieder häufiger motivieren kann. Nächste Woche stehen zum Glück auch an den Nachmittag ein paar Dinge an, sodass die Ablenkung hoffentlich lange anhält. Und ich möglichst wenig diesen nur wenige Sekunden dauernden Phantomschmerz in Form von Gerüchen spüre.

Werbeanzeigen

Wenn das Leben zuschlägt.

Es ist stürmisch draußen. Die Hände sind rot und kalt, schlüpfen wann immer es geht in die Jackentaschen. Vor meinen Augen verschwimmen der Wald, das Feld und der Hund, der ein ganzes Stück vorgelaufen ist. Tränen tropfen von meinem Kinn auf meine Regenjacke wie Vorboten dessen, was später vom Himmel gegen die Fensterscheiben prasselt. Zum Aufwärmen geht es unter die Dusche. Tränen vermischen sich mit dem heißen Wasser. “Du machst dir doch was vor.” denke ich. Ja, vielleicht. So gut, wie ich dachte, geht es mir wohl doch nicht. Ich belüge mich selbst. Warum? Selbstschutz vielleicht. Möglicherweise glaubt mein Kopf, es würde von alleine wieder. Auch wenn der Stresspegel gerade wirklich unfassbar hoch ist (hallo Klausurenphasenfinale), weiß ich nicht, ob ich das glauben kann – was ich mir selbst noch glauben kann. Ich bin erschrocken darüber, was aus der glücklichen, in sich ruhenden Frau geworden ist, die ich noch vor 6, 7 Monaten war. Ich vermisse sie, sehr.

Rückschläge.

Heute ist der schlimmste Tag seit einem guten Monat. Vielleicht etwas länger. Heute ist ein richtig richtig schlechter Tag. Alles verschwimmt, weil die Brille verschmiert ist und sich die Tränen wie ein Nebel vor die Augen legen. Ich bekomme kaum Luft, weil meine Nase zu ist. Überall im Gesicht sind dunkelrote, hektische Flecken. Meine Augenlider sind geschwollen. Ich sehe fast noch beschissener aus als ich mich fühle.
B. ist gestern in den Skiurlaub gefahren, dementsprechend gering fällt die Kommunikation im Moment aus. Dass er nicht schreibt, macht es gerade nicht besser. Dazu dann noch so eine blöde Kleinigkeit von ihm, über die ich mir schon wieder viel zu sehr den Kopf zerbreche und die das Fass dann irgendwie zum Überlaufen gebracht hat. Ich fiel früh aus dem Bett, ging direkt unter die Dusche und seitdem flossen irgendwie die Tränen.
In meinem Tagebuch zu schreiben habe ich schon versucht. Mit den Fingern behutsam über die sich wellenden Seiten gestrichen, über die Buchstaben und Wörter, die ich vor Wochen und Monaten in enge Zeilen gequetscht habe. Nichts. Ich fühlte mich kurzzeitig erleichtert, schaffte es, das Zimmer aufzuräumen. Dann wieder Tränen.
Vielleicht sollte ich ein bisschen in Vorbereitung auf die Mathe-Klausur rechnen? Aber in diesem Zustand bin ich fernab von Konzentration. Und ich weiß, würde ich mich verrechnen, würde ich sofort das Weinen wieder anfangen und das Zeug in den Ecke werfen.
Nun spiele ich mit dem Gedanken zu meinen Eltern zu fahren. Ich habe es satt immer und immer wieder mit meinen Tränen und der Traurigkeit und Verzweiflung alleine zu sein. Mir wäre es lieb, würde mich einfach jemand in den Arm nehmen. Jemand, der versteht. Ohne zu fragen, ohne irgendwas zu kommentieren. Aber ich weiß, dass meine Eltern nicht wirklich verstehen würden. Sie würden sicher denken, es wäre etwas vorgefallen. Ich könnte mich erklären und dann würden sie vielleicht auch verstehen. Aber meine Mutter war noch nie wirklich die Frau, die sich zu mir gesetzt, mich in den Arm genommen und den Kopf gestreichelt hat, bis ich mich beruhigt hatte. Nicht, dass sie es nicht tun würde, aber ich weiß nicht, ob ihr der Anlass angemessen erscheint.
Mal ganz davon ab, dass ich nicht viel sagen müssen will, kostet mich die Fahrt 20 Euro und das Geld ist als Student doch eher knapp bemessen (vor allem weil ich am Wochenende hinfahre um in ihrer Abwesenheit auf den Hund aufzupassen).

So recht weiß ich auch gar nicht was los ist. Wahrscheinlich einfach alles viel zu viel. Gestern war ein anstrengender, vollgepackter Arbeitstag. Die Klausuren rücken näher und ich habe noch viel dafür zu tun. Dazu kommt eben auch, dass B. und ich uns im Moment so selten sehen. Wir haben drüber gesprochen, dass sich das nach seinem Urlaub ändern muss und soll, trotzdem belastet mich das. Auch ansonsten brodelten ja die ganzen Sorgen und Probleme die letzten Wochen irgendwo unter der Oberfläche. Ich schlafe seit zwei oder drei Tagen auch schon wieder furchtbar schlecht. War ja klar, dass das irgendwann alles so hervorbricht. In letzter Zeit hatte ich auch das Gefühl, dass er irgendwie ein wenig anders war als sonst. Er sagt, es sei alles gut. Ich weiß nicht, ob ich mir das nur einbilde, als Folge der seltenen Treffen. Er ist einfach nicht der große Schreiber. Telefonieren wir oder sehen uns, ist meistens auch alles gut (außer als er letzt mit Kopfschmerzen und genervt im Stau stehend anrief, da war er nicht wirklich redselig – aber hey, er hat mich angerufen, weil er mich vermisst, weil er meine Stimme hören wollte. Wie kann denn da nicht alles gut sein?). Und da bei uns die Basis im Moment einfach mehr das Schreiben ist, kann sich das Gefühl auch daraus ergeben. Fernbeziehungen sind einfach nur ätzend. Und heute einfach ein richtig mieser Tag. Es gibt so viele tolle Dinge, die wir noch machen wollen in nächster Zeit, auf die ich mich echt freuen kann, aber heute fällt das einfach nur schwer. Und ich weiß noch nicht recht, wie ich den Tag überleben soll.

Vielleicht vielleicht.

Es ist ein Extrem der Gefühle. Auf der einen Seite die Zweifel. Die Frage danach, ob sich jemals etwas ändert, ob am Ende alles gut wird, was ich hier eigentlich mache. Auf der anderen Seite steht diese ziemlich große und tief gehende Liebe. Wir waren nicht wirklich lange in dieser frisch-verliebt-Phase. Ich mag es eigentlich, diese Nervosität, diese überwältigenden Gefühle, das Neue. Dennoch schwingt darin auch immer viel Unsicherheit mit, von der ich wahrlich kein Freund bin. Klappt das mit uns?

Wir waren nicht wirklich lange in dieser frisch-verliebt-Phase. Mit uns ging das sowieso alles unglaublich schnell. Und die Situation, die Umstände unter denen sich unsere Beziehung die letzten 6 Monate entwickelt hat, sind alles andere als einfach. Wir mussten schnell als Team funktionieren. Einander vertrauen. Dass und damit wir das aushalten. Dass es einen Weg und eine Chance für uns gibt. Dass wir es bis zu der gemeinsamen Zukunft schaffen, die wir uns beide so wünschen.

Ich wäre vielleicht lieber erst ein paar Monate später so hart auf den Boden der Realität aufgeschlagen. Dennoch sehe ich etwas Großes darin. Was soll noch zwischen uns stehen, wenn wir das irgendwann gemeistert haben? Es ist schwer, an manchen Tagen ganz besonders. Aber ich weiß, dass auf B. Verlass ist, dass er für mich da ist, so gut er kann, und dass er mich wirklich von Herzen liebt. Es ist absolut nicht so, wie ich mir das vielleicht mal vorgestellt habe. Aber es ist echt und das ist was zählt. ❤️

Schlagschatten.

Wann immer ich zur Ruhe komme, kommen auch die Gedanken wieder zurück. Ich glaube, im Moment bin ich einfach durch das Lernen für die immer näher rückenden, letzten Prüfungen für dieses Semster oder eben auch das Umgehen von besagtem Lernen gut abgelenkt. Die Tage verbringe ich damit, stundenlang in der Bib zu hocken und mir betriebswirtschafliche Definitionen, physikalische Formeln und Matheaufgaben ins Gehirn zu prügeln. Wann immer ich nicht dort bin, stehen Termine an, Arbeit, Sport oder aber auch Haushalt und ein bisschen Papierkram. Oder eben das kommende Familienwochenende inklusive Geburtstagsfeier anlässlich Opas 80. Geburtstag. Wenn ich mich dann nach getaner Arbeit ins Bett lege und am Handy spiele, läuft meist nebenher das neue, wunderbare Album von AnnenMayKantereit um mich auf das Konzert in einem Monat einzustimmen. Ich mag es, aber ein paar Lieder sind doch etwas melancholisch oder regen zum Nachdenken an und sind somit meiner Stimmung nicht unbedingt zuträglich. Vielleicht es auch der Stillstand in der momentanen Situation, den ich für meine Laune verantwortlich machen kann. Veränderungen möchte ich immer am liebsten sofort erwirken, Geduld ist diesbezüglich nicht gerade meine Stärke. Dass B. zur Zeit viel um die Ohren hat und oft nicht dazu kommt, sich zu melden, hilft gerade auch nicht wirklich weiter.
Aber ich bin optimistisch. In ein paar Tagen wird sicher wieder alles gut sein. Und wir sehen uns ja am Wochenende.

Es gibt aber auch ein paar gute Neuigkeiten. Meine Prüfungen in Englisch und Elektrotechnik habe ich beide mit 1,7 bestanden. Wie das in E-Tech geklappt hat, weiß ich zwar bis heute nicht, aber umso besser. Außerdem kann ich vielleicht bald den Job wechseln, muss dann nicht mehr in die Niederlassung, sondernkann von zu Hause aus arbeiten und zentralseitig Übungsaufgaben der Azubis im Unternehmen kontrollieren. Eigentlich mein Wunsch-Nebenjob fürs Studium, aber als ich mich vor einem Jahr dort beworben habe, war keine Stelle frei. Das hat sich nun geändert und sie haben glücklicherweise an mich gedacht. Am Dienstag werde ich dazu ein Gespräch mit meiner derzeitigen Abteilungsleiterin führen (müssen). Wahrscheinlich arbeite ich bis Juni in beiden Jobs, kündigen kann ich nur sechs Wochen zum Quartalsende und das ist nun zu knapp. Außerdem kam von ihr schon der Vorschlag, es als Zweitjob zu machen. Allerdings bin ich doch nicht so doof, das dauerhaft zu versteuern. Und ich weiß schon mit dem neuen Stundenplan nicht, wie ich regelmäßig Geld verdienen gehen soll, ohne jedes Wochenende im Laden zu verbringen. Im nächsten Semester habe ich sogar noch mehr Semesterwochenstunden… Wäre also ideal, wenn das alles klappt.

Ich wusste gar nicht so recht, welches Lied ich nun hier verlinken soll. Aber eines musste definitiv her, denn das Album ist gerade irgendwie Soundtrack meines Lebens. Daher wird es einfach das, was ich am schönsten finde. Ich konnte mich sonst gar nicht entscheiden.

Gefangen.

Ich weiß nicht, wie oft ich hier heute zum Schreiben angesetzt und es doch wieder verworfen habe. Nun also ein neuer Versuch.

Eigentlich ging es mir gut. Die Sonne, die Wärme auf der Haut, all die Unternehmungen die zuletzt anstanden, taten gut. Damit kam auch die Zuversicht. Vielleicht war es auch andersrum. Genau sagen kann ich das jetzt nicht mehr.
Eigentlich ging es mir gut. Eigentlich. Aber schlecht geht es mir irgendwie auch nicht. Ich bin gefangen. Gefangen zwischen Zweifeln und Zuversicht, zwischen Sorgen und Gelassenheit.
Irgendwann kamen heute wieder ein ganzer Haufen Gedanken über mich, bis es am Ende so viele waren, dass ich langsam das Grübeln wieder anfange. Dieser Schwebezustand, der sich alle paar Minuten wie ein Pendel von der einen zur anderen Seite bewegt, strengt mich schon nach wenigen Stunden an.
Im Moment schaffen wir es nicht wirklich oft uns zu sehen. Oder viel mehr: es hat sich nichts gebessert. Obwohl das doch „irgendwie“ möglich sein sollte. Wenn die Zweifel kommen, stelle ich die Dinge wieder in Frage. Alles läuft im Moment so weiter wie bisher. Eine Entscheidung für die eine oder andere Option ist nach wie vor für mich nicht gefallen. Solange es mir gut ging, ließ sich der Zustand aushalten, war mir eigentlich ganz recht. Unterbewusst war zwar noch alles da, dessen war ich mir auch bewusst, aber es war okay. Jetzt habe ich Angst, dass ich aus der Schwebe wieder in ein Loch falle.

Was gerade in mir vorgeht in Worte zu fassen, fällt mir reichlich schwer.

Vom großen Glück.

Heute war ich in Rostock. Ehemalige Kolleginnen treffen, die zu Freunden geworden sind. Die alte Arbeit besuchen. Und natürlich endlich das Baby (das mit seinen 7 Monaten schon gar nicht mehr so klein ist) einer der besagten Kolleginnen kennenlernen. Einen Kaffee trinken, im Lieblingsimbiss essen, viel erzählen. Es war einfach schön und der Kleine ein ganz ganz süßer Charmeur. Danach kam noch mein persönliches Highlight: Warnemünde. P. begleitete mich noch, wir erzählten und standen am Strand, den Blick auf das raue Meer, die Sonne im Nacken. Ich spürte, wie die Anspannung abfiel, wie das Lächeln auf den Lippen blieb. Nicht mehr weggehen wollte. Wie das Herz leicht wurde und die Gedanken leiser. Es war irgendwie komisch an der Wohnung vorbeizufahren, die ich mir damals mit T. teilte. Von der S-Bahn kann man im Winter, wenn die Bäume noch ohne Blätter sind, einen guten Blick auf das Haus werfen.

In den Bus einzusteigen, der mich zurück nach Lübeck bringen sollte, fühlte sich mehr als falsch an. Es war komisch, den Weg zu den Fernbussen am Hauptbahnhof zu nehmen, den ich schon so oft gelaufen war – weil der IC nach Lüneburg nicht fuhr und ich meine Eltern besuchen wollte – und zu wissen, dass ich nicht in wenigen Tagen zurück sein würde.

Im Bus dachte ich nach. Sollte ich nicht das machen, was mich erfüllt? Das Studium ist definitiv der Weg dort hin und ich genieße auch die viele Freizeit und überhaupt das Studentenleben sehr. Doch mein Herz sehnt sich nach dieser Stadt. Ich dachte daran, dass es mich – Stand jetzt – nach dem Studium wohl nach Hamburg verschlagen wird. Ohne Zweifel habe ich mich in diese Stadt verliebt, es gibt wunderschöne Orte dort, an denen ich gerne öfter wäre, und noch tausende mehr zu entdecken. Dennoch weiß ich, dass Rostock immer mein Zuhause bleiben wird. Vielleicht auch, weil ich dort das erste Mal auf mich alleine gestellt war, weil ich dort erwachsen(er) geworden bin, weil ich Erinnerung an viele schöne Tage mit dieser Stadt verbinde.

Ich bin traurig, ein wenig. Der Tag hinterlässt einen faden Beigeschmack, obwohl – oder vielleicht gerade weil? – es so ein schöner war. Und ich frage mich, ob eine Stadt einen wirklich so sehr glücklich machen kann, wie ich das empfinde. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich das dringend öfter machen sollte. Auch wenn danach immer ein bisschen bedauern über die Abreise kommen wird, wenn ich das Leben dort dann erst recht wieder vermisse. Doch das ist der Ort, an dem ich richtig durchatmen kann. An dem ich mich immer angekommen fühlen werde. An dem ich, wie groß das Chaos auch sein mag, immer wieder zu mir selbst finde. An dem es sich nach Heimat anfühlt ❤️

Schnee.

Ein bisschen was liegt noch, von dem Schnee, der vor ein paar Tagen fiel. Gerade tanzen vor meinem Fenster ein paar kleine Flocken vorbei. Ich hatte mir den Schnee so gewünscht.

Lange lag er ja nicht so richtig, der Schnee. Für eine Nacht hat er die Welt zugedeckt. Wirklich ruhiger ist es damit in mir auch nicht geworden. Der Sturm hat aufgehört, aber es schaukelt doch noch alles mächtig und hin und wieder schafft es auch noch mal eine Welle, mich zu überspülen. Ich weiß noch nicht recht, ob ich okay bin oder nicht. Aber genauso wie man mal schlechte Tage oder Wochen haben darf, ist es vollkommen in Ordnung irgendwie zwischen den Stühlen zu stehen.
Seit Tagen wollte ich hier mal wieder schreiben. Ich wusste nicht so recht worüber. Liegt vielleicht daran, dass ich seit geraumer Zeit all meine Gedanken (die immer und immer wieder gleichen) in eine Art Tagebuch schreibe. Wie mir eben danach ist, je nach Situation. Manchmal mehrmals am Tag, manchmal eine Woche lang gar nicht. Es hilft mir sehr, zu reflektieren. Und ist einfacher, als alles hier aufzuschreiben. Innerhalb einiger Stunden kann sich der Blickwinkel ja doch auch noch mal ein wenig verschieben. Manche Seiten sind nur zur Hälfte gefüllt, für andere Tage reichte eine Seite nicht aus.
Mich beschäftigen so viele Details, dass ich zuletzt wirklich schlecht geschlafen habe und vor lauter Zähneknirschen in der Nacht drei Tage lang ohne Wärmepflaster im Nacken die Verspannungen nicht ausgehalten hätte. Hin und wieder kommt die Erschöpfung durch. Aber ich passe auf mich auf. Mit Sport habe ich es schon versucht, weil ich danach normalerweise so herrlich ausgeglichen bin. Geholfen hat es dieses Mal leider nicht. Aber ich bleibe dran, in der Hoffnung, dass sich dieses wunderbar befreiende Gefühl danach bald wieder einstellt.
Mein Herz ist schwer. Das merke ich jeden Tag, nahezu jede Minute. Ich genieße die Vormittage alleine in der Wohnung, aber so bin ich eben auch alleine mit meinen Gedanken. Dann ist eben niemand da, der mich ablenkt oder mir ein Lachen abringt. Aber das ist okay. Ich weiß, dass es für mich, für uns, besser wäre, wenn es mir besser ginge. Dass B. auch ein wenig verzweifelt ist, weil er mich nicht mal eben so in den Arm nehmen kann, dass er auch gerne mehr als das für mich tun würde. Aber ebenso gut weiß ich, dass es mir besser gehen wird. Und dass Eile gerade überhaupt nicht angebracht wäre.
Ich spüre, wie sehr ich Meerweh habe. Gerade würde es einfach zu viel Lernzeit fressen, den Zug an den Strand zu nehmen. Aber da unser London-Urlaub ausfällt, wollen A. und ich am Sonntag nach Timmendorf in die Therme fahren. Da ist mit Sicherheit auch ein Strandspaziergang drin und ich weiß jetzt schon, wie gut mir das tun wird. „The ocean calms my restless mind.“ Es gibt wohl keinen Satz, der besser auf mich zutreffen könnte.

Es gibt noch mehr schöne Dinge zu erzählen. Am Samstag bin ich endlich wieder bei ihm und dann können wir innerhalb von anderthalb Wochen schon zum 2. Mal nebeneinander einschlafen. Etwas, dass wir sonst nicht so oft geschafft haben. Ich hoffe sehr, dass wir es jetzt überhaupt auch wieder öfter schaffen uns zu sehen. Auch öfter als alle ein bis zwei Wochen, aber Klausuren und Krankheit passen da im Moment nicht in den Plan. Außerdem bucht er uns in den nächsten Tagen ein Haus für unseren gemeinsamen Sommerurlaub in Dänemark. Ihm bedeutet das viel, denn er fährt seit seiner Kindheit jedes Jahr dorthin in den Urlaub. Und der Wunsch, mal gemeinsam da Ferien zu machen, entspringt tatsächlich schon den ersten Tagen unserer Beziehung. Wir kannten uns gerade mal eine oder zwei Wochen und hatten uns drei Mal verabredet, als er für zwei Wochen dort im Urlaub war und die allerschönsten Strandbilder schickte (dass man mich damit für einen Ort gewinnen kann, muss ich wohl nicht extra erwähnen). Und auch in der Zwischenzeit hat er immer wieder davon erzählt, in seiner Wohnung hängen Sonnenuntergangsbilder, die er dort gemacht hat… Obwohl wir noch nie zusammen da waren, ist das irgendwie „unser Ort“. Und es wird mich wohl immer daran erinnern, wie wir, frisch verliebt, uns diese zwei Wochen lang vermisst haben und er extra einen Tag früher aus dem Urlaub kam, um mich, weil ich krank war, zu besuchen.
Ich freue mich sehr auf diesen gemeinsamen Urlaub. Dänemark. Meer. Eine Woche mal Zeit nur für uns. Keine Arbeit, keine Uni, keine anderen Verpflichtungen. Auch wenn es noch mehr als ein halbes Jahr hin ist. Auch wenn im Moment die Vorfreude, durch meine allgemeine Stimmung, ein bisschen getrübt ist. Aber das ist okay. Ich bin okay. Und vor allem bin ich dankbar. Für diesen Mann. Und für dieses Leben, das im Großen und Ganzen doch eigentlich ziemlich gut zu mir ist.

Semesterende.

Wenn es hier jetzt etwas ruhiger wird, dann liegt das vor allem daran, dass heute der letzte Vorlesungstag im Semester ist. Das bedeutet, dass Klausuren anstehen. Für mich, zum Glück, erstmal nur Elektrotechnik und Technisches Englisch nächste Woche Dienstag bzw Donnerstag. Trotzdem stecke ich im Moment die Nase reichlich oft (für meine Verhältnisse) in Unterlagen, Übungsaufgaben, Vorlesungsfolien und YouTube Videos. Morgen ist auch schon ein Tag in der Bib eingeplant und am Samstag Lernen mit einer Kommilitonin. Trotzdem bin ich guter Dinge, E-Technik liegt mir halbwegs und wird sicher werden und in Englisch haben wir eine Doppelprüfung (Refarat, 40%, Klausur, 60%). Das Referat habe ich schon vor einem Monat gehalten, heute kam dann die Bewertung mit 1,3 – ich brauche also nur noch maximal 15 Punkte um Englisch überhaupt zu bestehen.
Das sind ganz gute Aussichten, um in die erste Prüfungsphase zu starten. Experimentalphysik, Allgemeine BWL und Mathe folgen dann Anfang März. Viel Zeit also um bis dahin das ganze Semester Physik aufzuholen (was das angeht ist da bisher nämlich nur ein einziges, riesengroßes Fragezeichen in meinem Kopf).

Vom Kommen und Gehen.

Es ist wie mit vielen negativen Dingen und Gefühlen im Leben. Sie kommen und gehen. Sie kommen und gehen in Wellen. Manchmal erschlagen sie dich, brechen über dich herein. Dann hilft nichts anderes, als die Luft anzuhalten und sich wieder nach oben zu strampeln. Manchmal sind die Wellen auch kleiner, vielleicht spürt man sie kaum. Sie bringen einen für einen kurzen Moment zum straucheln, aber sind ebenso schnell auch wieder vorüber.
Kleine Wellen, das können für mich Bilder sein, Worte, Musik. Ein schneller Gedanken, für eine Sekunde das Gefühl von Resignation, dann ein Seufzen. Weiter geht es. Hin und wieder türmen sich aber viele kleine Wellen zu einer großen auf. Ich habe gestern Abend schon gemerkt, dass der Seegang zunahm, heute kam dann mal wieder eine Welle auf mich zu, die mich mit unter Wasser gerissen hat. Und jetzt strample ich.

Sie kommen und gehen. Sie kommen und gehen in Wellen. Die Zweifel. Die Verzweiflung. Meist geht es ein paar Wochen gut, dann muss ich wieder ein paar Tage aufpassen, nicht unterzugehen. Jedes Mal auf neue ist es anstrengend so lange zu schwimmen, bis sich alles beruhigt. Es schmerzt. Und oft weiß ich weder ein noch aus. Weil Aufgeben keine Option ist, aber Weitermachen auch irgendwie nicht. Denn die Wellen hören einfach nicht auf.

Mir ist kalt und wirklich warm wird mir wohl den ganzen Tag nicht werden. Diese Kälte kommt von innen, von da, wo es sich gerade wieder irgendwie leer anfühlt. Draußen vorm Fenstern tanzen ein paar kleine Schneeflocken im Wind. Ich muss lächeln. Schnee hatte für mich schon immer etwas Magisches an sich. Die Welt wird einfach zugedeckt. Und es wird ein bisschen ruhiger und stiller als sonst.
Doch die Flocken bleiben nicht liegen. Wie schön wäre es, würde es doch endlich richtig schneien. Schneien und ruhiger werden. Draußen, in mir.