Wie es mir geht.

Ich habe scheinbar nicht unbedingt die Neigung zu einem ruhigen Leben. Hier ist gerade verdammt viel los – seit Wochen. Ein Aus- und ein Einzug in meiner Wohnung. Neue Mitbewohnerin, neue Menschen im Leben. Urlaube, Verabredungen, Familie. Viele schöne Dinge. Dinge, die mich kurz nach Luft schnappen lassen und die mir manchmal auch mehr als ein paar Stunden nach ihrem Ende noch Raum zu Atmen geben.

In mir ist es etwas ruhiger geworden, sehr viel ruhiger. Nach dem Crash von Trennung und Seelentief war das aber auch zwingend notwendig – und: man, tut das gut. So gut wie in den letzten Tagen und Wochen ging es mir lange nicht und das fühlt sich wie ein weiterer Urlaub an.
Mittlerweile hatte ich auch ein paar Termin bei einer Therapeutin. Ein wichtiger Schritt, einer, der mir wieder eine Perspektive gegeben hat und Hoffnung an den schweren Tagen. Einer, der sich gut anfühlt. Auch wenn die einzelnen Sitzungen schwer sind, mit einer Menge Tränen, und vieles aufwühlen. Doch langsam werden Zusammenhänge klar. Ich verstehe. Verstehe, warum es mir so geht und, dass ich kaum eine andere Möglichkeit hatte, als früher oder später an diesem Punkt zu stehen. Verstehe, dass es irgendwann okay sein wird.

Auf Anraten meiner Therapeutin (und weil es sowieso der Plan war), bin ich wieder öfter beim Sport. Alle zwei Tage, zuweilen sogar jedes Mal einige Minuten auf dem Laufband. Es tut gut. Nicht so sehr wie früher, aber es tut gut, den Körper arbeiten zu lassen und ich habe etwas, auf das ich stolz sein kann. Meine Disziplin.
Ich bin wieder mehr draußen, verabrede mich häufiger, mache Pläne. In der letzten Woche gab es sogar einen Tag, an dem ich mich so frei von allem und ganz besonders GLÜCKLICH gefühlt habe, wie es das letzte Mal vor fast einem Jahr der Fall war. Und vor Freude hätte ich beinahe geweint. Das Leben ist ein Auf und Ab. Aber wir haben eine neue Richtung. Und die heißt: Bergauf!

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Gedankenschnipsel.

*

Und am Ende kommt es immer ganz anders, als man denkt.

*

Ich danke an den Tag, als ich ihn zum ersten Mal sah.
Ich denke an den Tag, als ich zum ersten Mal bei ihm war. Aufstehen um halb 5. Abschiedsküsse am Bahnhof.
Ich denke daran, wie wir das erste Mal gemeinsam am Strand waren. An stundenlange Telefonate. Endlose Gespräche. Liebeserklärungen. Umarmungen.
Ich denke an die weniger schönen Tage. An Diskussionen und Tränen. Ans Zusammenraufen.
An Hoffnungen.
An Träume.
An Pläne.
Ich blicke auf die Bilder in meiner Erinnerung. Ein letztes Mal. Dann drehe ich mich um und gehe, allein. Und vielleicht laufen dabei Tränen über meine Wangen, vielleicht kann mein Verstand es begreifen, mein Herz aber nicht. Doch ich bin dankbar, für den Weg, den wir zu zweit gegangen sind. Ich gehe weiter, allein.
Er sagt, er wartet auf mich, hinter dem Berg, der jetzt vor mir liegt. Ich weiß nicht, ob er noch da sein wird, wenn ich ankomme. Ich hoffe es. Er würde meinen Weg bereichern, wie es jeder meiner Freunde tut. Doch auch wenn nicht: Was vor mir liegt, wird mich stärken. Ich schaffe es, auch allein.
Ich bin bereit.

*

Zeit mit Menschen, die man liebt – so lang sie auch sein mag – wird immer zu kurz bemessen sein.

*

Unsere Augen haben mal vor Glück gefunkelt.
Jetzt glitzern Tränen darin.
Unsere Herzen füllen Liebe – und Trauer.
Es sollte wohl einfach nicht sein.

*

She is strong, but not
in the way most people
think. She loves more
than she’ll ever get
back and she knows it.
And yet,
she loves anyway.
-JmStorm

*

Herz und Verstand.

Trennungen tun immer weh. Aber:

Wie trennt man sich von jemandem, für den man alles tun würde? Jemand, der einem immer wieder sagt, wie sehr er einen vermisst.

Wie trennt man sich von jemandem, der einen unerschütterlichen Platz im eigenen Leben hat? Jemand, der einfach nur will, dass es einem gut geht.

Und vor allem:

Wann trennt man sich von jemandem, dessen Lebenspläne vielleicht noch für die nächsten fünf Jahre mit den eigenen übereinstimmen, danach aber langsam anfangen sich auszuschließen?

Wann trennt man sich von jemandem, den man so sehr liebt?

Die Leichtigkeit des Seins.

Angekommen zu sein lässt dich fliegen. Das Herz ist dann ganz leicht, wie eine Feder. Das Lächeln auf den Lippen ist breit und ehrlich. Die Augen strahlen vor Glück. Im Bauch ist es wohlig warm. Du bist im Hier und Jetzt. Du genießt.
Was lässt dich fliegen?
Zum ersten Mal das Meer erahnen, es sehen und hören und riechen und schmecken, nachdem man viel zu lange nicht mehr dort war. Verliebt sein. An einem fremden Ort aus dem Flugzeug steigen und Urlaubsluft atmen. Jemanden ansehen und wissen, dass die Person alles für dich tun würde –  und du für sie. Sonne nach endlosen Regentagen. Nach Hause kommen. Wissen, dass das Leben es gerade gut mit dir meint. Jemanden in die Arme schließen, den man so sehr vermisst hat.

Angekommen zu sein, mit dir im Reinen zu sein, lässt dich fliegen. Aus diesen kleinen Momenten ein Alltagsgefühl zu machen ist schwer.
Denn da sind zu viele Gedanken. Da sind Sorgen und ‚Was wäre wenn’s. Da ist Regen, Vermissen, Heimweh, Meerweh. Und ganz besonders ist dort Schwere.

Also warte ich auf den Tag, an dem mein Herz wieder fliegt.

Ich möchte so gerne fliegen.

 

 

Klick.

Die Motivation in die Uni zu gehen ist nur eher schlecht als recht zurückgekommen. So werde ich morgen zum ersten Mal seit einer Woche wieder dort sein – und hoffentlich den Tag durchstehen. Obwohl ich das letzte Woche auch geschafft habe, trotz eines Termins, der mir vorher ziemlich viel Bauchschmerzen bereitet hat und am Ende doch nichts Neues für mich bereithielt.
Und heute war ein blöder Tag. Gestern auch schon. Ich habe etwas komisches geträumt, die Nacht zuvor und ich weiß nicht, ob es das war, was mich so aus der Bahn geworfen hat. Vielleicht hat es dem Gedankenkarussell auch bloß noch mehr Schwung gegeben. Gestern ging es dann am Nachmittag trotzdem irgendwie in die Arbeit. Für die letzten Stunden, es war ein komisches Gefühl sich zu verabschieden, aber auch eine kleine Erleichterung. Heute ging dann aber wirklich nichts mehr, mit Ausnahme einiger Tränen. Zum Glück war B. da und konnte mich am Tagestiefpunkt fest in den Arm nehmen. Umso weniger Lust habe ich auf den bevorstehenden Familienurlaub. Denn der bedeutet wenig Rückzugsmöglichkeiten und ein Wiedersehen mit B. in frühestens 2 Wochen…

 

… Was hier gerade so vorgeht wirft in mir viele Fragen auf. Die meisten beginnen mit Warum, enden tun sie alle unterschiedlich. Einige sehen auch nach vorne. Was wird die Zukunft bringen? Vor allem auch: Was bringt der neue Tag? Jeden Morgen wieder, aber auch jeden Abend, an dem ich nicht einschlafen kann, obwohl ich erschöpft und müde bin.
Immer, wenn die Gefühlsachterbahn ihre spiralförmige Fahrt nach unten antritt, ist es als würde ein Schalter umgelegt. Und eine andere Seite von mir drängt sich nach vorne. Eine die traurig ist und wütend, vor allem aber überfordert. Eine, die mich Angst haben lässt, vor dem Klicken des Schalters, weil ich weiß, dass das nicht ich selbst bin, wenn er noch ein Stück weiter umgelegt wird. Dass ich nicht ich selbst bin, wenn sich Tränen ohne einen Grund ihren Weg bahnen, so sehr, dass ich das Anziehen unterbrechen muss und hektische Flecken im Gesicht bekomme.
Diese Momente gehen vorbei, meist sind sie nicht sehr lang. Aber sie machen Angst, sie laugen aus und vor allem ist da immer die Gewissheit, dass sich der Schalter jederzeit wieder auf „Totalausfall“ legen kann.

Zwischenstand.

Manchmal fühle ich mich so, als wäre ich irgendwo ohne Raum und Zeit. Irgendwo in der Schwebe. Die letzten Tage zählen zu diesem ‚Manchmal‘.
Es geht ganz gut soweit. Ich kann mich ganz gut ablenken, von dem, was gerade in und mit mir los ist. Allerdings war ich auch die letzten zwei Wochen nur sehr sporadisch (ok, letzte Woche habe ich zwei Tage geschwänzt um B. vor der Arbeit zu sehen) zu insgesamt 3 Vorlesungen in der Uni. Vorletzten Mittwoch saß ich dort, an meinem fast zehnstündigen Uni-Tag, und musste nach der ersten Vorlesung gehen. Es ging einfach nicht, war alles zu viel. Danach konnte ich mich nur schwer wieder aufraffen. Meine Kommilitonen sind zwar so unglaublich toll und fragen nach wie es mir geht oder warum ich nun doch nicht wie geplant Donnerstag gekommen bin. Doch meine Antwort, dass ich im Moment so schlecht schlafe, ist zwar nicht gelogen, kommt mir aber sehr recht um es als Grund vorzuschieben. Was sollte ich denn auch sagen? Dass ich mich alleine fühle, auch wenn wir wieder zu acht beisammen sitzen, weil mir einfach die Kraft fehlt, mich an der Interaktion zu beteiligen? Dass ich es leid bin, allen zu antworten, dass es mir gut geht, obwohl das nicht stimmt? Dass ich Lügen und aufgesetzten Lächeln überdrüssig geworden bin? Dass ich der Vorlesung sowieso nicht folgen kann, weil ich in Gedanken ständig abschweife?
Natürlich könnte ich das antworten. Aber das macht mich verletzlich, fordert Erklärungen und dem würden wahrscheinlich weitere neue Nachrichten folgen, die ich beantworten sollte, weil ignorieren einfach nicht mein Ding ist.

Dem ganzen aus dem Weg zu gehen, ist natürlich auch nicht die Lösung. Aber das macht es mir gerade etwas leichter. Nichtsdestotrotz: Nächste Woche werde ich wieder zur Uni müssen. Hoffen wir, dass ich mich trotzdem weiterhin so „gut“ fühle, wie ich es gerade tue.

Sehnsucht.

Der Geruch von Chlor hängt noch in meinen Haaren und haftet an meiner Haut. Ich schaue ein bisschen gedankenverloren aus dem Fenster auf das vorbeiziehende Feld. Meine Seele sitzt wohl noch immer in der Sauna mit Blick auf die ruhige Ostsee.
Er legt seine Hand auf mein Bein und holt mich zurück ins Auto. „Alles in Ordnung?“ Ich schaue ihn an und muss lächeln. Ja, es könnte nicht viel besser sein.
Einen so schönen Tag hatten wir lange nicht mehr. Und doch endet er mal wieder viel zu schnell, als ich ihm nach 7 Stunden, die sich bei weitem kürzer angefühlt haben als sie es waren, noch ein Mal kurz winke, während er zurück nach Hause fährt.

Wenn ich jetzt an unseren Besuch in der Therme gestern denke, muss ich eine Träne verdrücken. Nicht, weil ich traurig bin. Viel mehr, weil mein Herz so voll ist, dass ich gar nicht weiß wohin mit all dem. Und weil die Sehnsucht schon wieder so unerträglich groß ist. So, wie sie es immer ist, wenn wir uns nicht sehen. So, wie sie mir zeigt, wie sehr ich gemeinsame Zeit genieße. So, wie sie mir zeigt, dass jeder kleinste Teil von mir gerade lieber woanders wäre.
Sehnsucht. Das ist irgendwie ein schwieriges Ding. Bei dieser Studie zu Emotionen und EQ, an der ich gerade teilnehme, besteht ein Teil der Aufgaben aus dem Einordnen von Stimmungen auf einem Kompass. Auf der horizontalen Achse wird die Laune beschrieben, von schlecht zu gut, auf der vertikalen, ob man dabei eher kraftvoll oder kraftlos ist. „Sehnsüchtig“ ist eines der einzuordnenden Worte. Und das Einzige, dass ich konsequent in der Mitte einordne, dort, wo beide Achsen sich schneiden. Einfach, weil ich keine klare Zuordnung treffen kann. Wenn ich sehnsüchtig bin, bin ich nicht unbedingt guter Laune, denn es fehlt mir etwas, keine Frage. Aber gleichzeitig weiß ich auch immer, dass sich diese Sehnsucht aus Glück speist. Und auch, wenn es schwer fällt, bin ich mir dessen eigentlich immer bewusst. Manchmal, wenn ich Sehnsucht habe, liege ich einfach nur still in meinem Bett. Gedankenverloren, traurig und dankbar zugleich. Und manchmal, da brodelt es förmlich in mir – entweder weil ich so wütend bin, dass ich das, was ich möchte, gerade nicht haben kann, oder weil sich Vorfreude darunter mischt.
Emotionen sind so viel mehr als man auf einem Kompass einordnen kann. Und bei der Sehnsucht wiegt das ganz besonders schwer.
Das Vermissen und ich, wir werden wohl nie wirklich Freunde werden. Aber ich weiß, dass es berechtigt und notwendig ist.

– Dennoch. Jeden Tag denke ich daran, dass es nur noch vier Monate bis zu unserem Urlaub sind. Noch vier Monate, bis wir gemeinsam im Ferienhaus in Dänemark sitzen. Vier Monate, die mir viel zu lange vorkommen. Aber (und ich glaube, dass ist das beste Jahrestagsgeschenk, dass wir uns machen können) dann sind wir tatsächlich auch schon ein Jahr zusammen. Wo ist die Zeit geblieben?

Und wie kann es sein, dass Stunden mit dir wie Sekunden vergehen, Stunden ohne dich sich aber wie Tage anfühlen?

Kurzzeitglück.

Die letzten Tage waren wundervoll, nicht nur des Wetters wegen. Es fühlte sich in jeder Pore so herrlich nach Sommer an, und jetzt, wo der Balkon endlich bepflanzt und hübsch gemacht ist, kann dieser nun auch endlich kommen und bleiben – bitte.
Am Donnerstag verbrachte ich den ersten, wirklich warmen und sonnigen, Nachmittag bei B. in Hamburg. Wir waren auf dem Dom, haben das Wetter genossen, sind ein kleines Stück mit dem Motorrad gefahren und er hat mir das Grundstück gezeigt, auf dem im nächsten Jahr sein Haus stehen soll. Danach gab es einen Filmabend mit ganz viel Lachen und guten Gesprächen. Als ich Freitag heim fuhr, fühlte ich mich besser. Auch wenn das Vermissen schnell wieder da war, fühlte ich mich leichter.
Meine Eltern kamen am Abend, wir saßen gemütlich beisammen, erzählten. Am Samstag besorgten wir die Balkonpflanzen und fuhren auf die Altstadtinsel. Erkundeten neue Ecken von Lübeck und versuchten, möglichst viel Eis und Sonne mitzunehmen. Am Abend probierten wir ein unfassbar gutes, kroatisches Restaurant gleich bei mir um die Ecke und fielen dann ziemlich kaputt früh ins Bett. Sonntag stand dann der obligatorische Osterbrunch an. Wir hatten uns allerlei leckeres Essen vorbereitet. Suppe, Salat, Aufstrich, Obst, Gemüse. Selbst an ein Dessert und selbstgemachten Eierlikör hatten wir gedacht. Später hatten mein Papa und ich dann einen Vater-Tochter-Tag. Wir fuhren in ein Museum, dessen Ausstellung uns seit geraumer Zeit interessierte. Meine Mama hatte da gar keine Lust zu, also blieb sie zuhause. Nach gut anderthalb Stunden waren wir fertig und beschlossen, noch nach Travemünde zu fahren und ein bisschen an der Strandpromenade spazieren zu gehen. Mein Vater wollte unbedingt das Meer sehen und auch dazu hatte meine Mutter schon vorher ihren Unmut geäußert. Dass ich dabei war, stand ja außer Frage. Auf dem Ostermarkt gab es noch ein Eis und dann machten wir uns wieder auf den Rückweg. Zuhause angekommen wurde noch schnell die Insektenschutztür am Balkon angebracht und dann verabschiedete ich meine Eltern auch schon. Gestern musste ein wenig der Haushalt erledigt werden, aber am Nachmittag fuhr ich noch mit A. ins Kino. Und selbst auf dem Rückweg war es noch herrlich hell und sonnig.

Das Osterwochenende war so schön und entspannt. Leider konnte ich davon nichts mit in den Alltag rübernehmen. Ich merke, dass da immer irgendetwas ist, das sich wie ein grauer Nebel über mich legt, wenn ich nicht gerade beschäftigt oder abgelenkt bin. Und so sehr ich gerade auch alle Unternehmungen oder die Sonne auf der Haut genieße, umso trauriger macht es mich auch, dass sich dieses komische Gefühl immer und immer wieder zurückschleicht, sobald es die Gelegenheit dazu bekommt.

Bergauf?

Die Pflichten sind erledigt, das Wochenende kann kommen. Dienstag ging ich nur in die Uni, weil die Physikvorlesung schon öfter ausgefallen war als sie stattgefunden hatte und ich nichts verpassen wollte. Außerdem ist es nur die eine Vorlesung und danach wollte mit M. noch ein Protokoll zu dem Experiment letzte Woche vervollständigt werden. Gestern kam ich nur zur letzten Nachmittagsveranstaltung. Matlab, Programmieren mit Anwesenheitspflicht. Ich hätte mich natürlich krankmelden können, aber um zur Klausur zugelassen zu werden, müssen wir 7 Übungen bestehen und gestern konnte ich dann schon mal die erste abhaken. Heute ging ich zu Elektrotechnik. Eigentlich auch nur, weil ich danach dringend zu der einen Studie musste. Ich hatte die Termine Montag und gestern sausen lassen und bei zu großen Abständen zwischen den Terminen, kann ich irgendwann nicht mehr teilnehmen und es wäre vergeudete Zeit gewesen. Nach 15 Minuten war ich dann auch schon durch und zeitnah zurück in meinem Bett. Gegen Mittag kam noch für einen Augenblick jemand das WG-Zimmer und die Wohnung ansehen, da A. ja im Sommer auszieht und ich dringend einen Nachmieter für sie brauche. Das Protokoll hatte ich unserem Prof auf dem Weg zur Studie schnell reingereicht und damit alles für diese Woche erledigt. Morgen bleibe ich noch zuhause. In der Uni verpasse ich sowieso nicht viel. Samstag steht vielleicht noch ein Skype-Gespräch mit einer weiteren Interessentin für das Zimmer an, am Sonntag bin ich noch mal kurz in der Studie. Bis auf den Wohnungsputz, für den ich das ganze Wochenende Zeit habe, kann ich also nach Lust und Laune im Bett liegen. Wenn es mir etwas besser geht, wartet ein bisschen Unizeug oder Arbeit auf mich, aber da das nicht wegläuft, ist es nur eine Option, wenn mir langweilig wird. Damit sollte ich dann bis nächste Woche auch wieder fit werden. Ich fühle mich auf jeden Fall direkt schon etwas entspannter, weil ich nicht mehr ständig die hundert Termine und Erledigungen im Hinterkopf habe und gerade einfach etwas in den Tag hineinleben kann. Und die zusätzliche Erholung, die ich jetzt dank der Erkältung bekomme, hat mein Körper wohl wirklich gebraucht. Langfristig ist das natürlich keine Lösung, aber für den Moment war das einfach notwendig. Und wenn es mir wieder gut geht, kann ich mir immer noch Gedanken dazu machen, wie das alles weitergehen kann ohne mir über den Kopf zu wachsen. Bald ist diese aufwendige und terminreiche Studie vorbei. Zu sowas werde ich mich dann wohl eher nicht mehr anmelden. Ansonsten habe ich mich jetzt dazu entschieden das Geld aus den Studien für den Urlaub mit B. zu sparen. Er versucht immer noch, mich für den Kitekurs zu begeistern. Lust habe ich auf jeden Fall und jetzt eben auch eine Möglichkeit, woher das Geld kommen soll. Heute habe ich auch mit meiner Mutter telefoniert und sie hat mir von ihrem beruflichen Plan für die nächsten Monate erzählt. Sie scheint da wirklich überzeugt von zu sein und Lust drauf zu haben, jedenfalls hat sie sich noch nie so sehr in eine berufliche Veränderung reingekniet wie jetzt (und eigentlich sagt man ihr seit 20 Jahren, dass sie den Job aus gesundheitlichen Gründen gar nicht machen sollte). Das hat mir auf jeden Fall auch ein bisschen den Wind aus den Segeln und vor allem einiges an Sorgen genommen. Den Rest werden die nächsten Wochen zeigen. Vor allem auch, wie es mit B. klappt. Dieses Wochenende sehen wir uns nicht. Zum einen, weil er nur morgen Zeit hat und es der einzige Tag der Woche ist, an dem er durch Nachtschichten auch mal etwas Zeit mit seinem Sohn verbringen kann, außerdem war er in letzter Zeit oft genug krank. Ich will ihn nicht anstecken und ich brauche eigentlich auch noch Erholung. Danach wird es dann hoffentlich besser. Schließlich ist es seit Mitte Dezember Thema, dass wir uns zu wenig sehen und bisher haben wir es immer nur kurzfristig in den Griff bekommen. Aber wer weiß, vielleicht geht es jetzt ja doch bergauf?

Wortlos.

In letzter Zeit habe ich nicht so viel von mir hören lassen. Man mag annehmen, dass es – wie sonst meist auch – daran liegt, dass es mir besser geht, dass alles gut ist und ich mein Leben gerade so vor mich hin lebe. Aber dem ist nicht so. Viel mehr würde ich so gerne schreiben, aber ich weiß nicht recht, was ich sagen soll und vor allem fehlt mir dazu auch irgendwie die Kraft. Es läuft nicht schlechter als sonst. Es scheint sogar recht gut. Mittlerweile habe ich alle Noten bekommen, alle Klausuren habe ich bestanden, auch die, die mir etwas Bauchweh bereiteten, waren nicht mal knapp. In den ersten drei Wochen des Semesters war ich bisher wirklich sehr regelmäßig und ausdauernd in der Uni, obwohl die Lust nach wie vor nicht besonders groß ist. Obwohl programmieren gar nicht meins ist, komme ich bisher in der Vorlesung gut mit. Jeden Freitag sitze ich in meinem ersten Wahlfach, Bauphysik, und das obwohl das aktuelle Vorlesungsthema Schall(schutz) kaum etwas bereithält, das ich nicht aus der Berufsschule weiß. In den Freistunden nehme ich an Studien für beispielsweise Doktorarbeiten teil und verdiene mir damit ein kleines Taschengeld dazu. Ich gehe Essen mit meinen Kommilitonen, bekomme Besuch, fahre mit A. zum Shoppen, habe mich ab Mai fürs Stand-Up-Paddling im Hochschulsport angemeldet. Es klingt gut und es ist es auch. Aber ich merke, dass all das – was zum Teil auch einfach Ablenkung ist – mich noch mehr auslaugt. Manchmal fühle ich mich weitestgehend überfordert. Meine Ansprüche an mich sind hoch, meine Noten sind zwar gut, teilweise war ich damit aber doch unzufrieden. Ich versuche nun also jeden Tag dort zu sein, in Leerlaufzeiten zu lernen, unterm Semester mehr zu tun. Ich setze mich selbst unter Druck und ich kann es nicht abschalten. Dazu die Geld“sorgen“. Nicht, dass ich nicht über die Runden kommen würde. Aber es ist doch weniger, als ich in den letzten Jahren zu Verfügung hatte. Und trotz (derzeit) zwei Nebenjobs und den Aufwandsentschädigungen für die Studien, muss ich mir oft zwei Mal überlegen, ob ich mir Dinge oder Aktivitäten leisten kann. Mal davon ab, dass meine Mama ihrem Job bald vielleicht nicht mehr wird nachgehen können und meine Eltern dann noch weniger Geld zur Verfügung haben. Also mache ich mir auch immer wieder Sorgen um deren finanzielle Lage als auch um die Gesundheit meiner Mutter. Und nicht zu vergessen, als scheinbar unveränderliche Konstante in meinem Leben, die Beziehung zu B. (die mittlerweile schon mehr als 7 Monate besteht, wo ist bitte die Zeit hin?) und den ganzen Umständen drumherum. Zuletzt haben wir uns wenig gesehen, durch seine Arbeit(szeiten) weniger geschrieben oder telefoniert als sonst und das Vermissen wurde immer mehr. Ersteres scheint zwar in nächster Zeit erstmal wieder etwas besser und regelmäßiger zu werden und es stehen auch schon in Mai und Juni grob zwei Unternehmungen fest, aber dennoch fällt es mir schwer mich immer und immer wieder verabschieden zu müssen. Und ich bin emotional zur Zeit so angeknackst, dass ich wirklich damit hadere, nicht immer überall zu viel hineinzuinterpretieren.
Es kommt einfach (seelisch) so viel zusammen, dass ich gerade nicht weiß, wohin ich den ganzen Ballast abladen soll. Das eine oder andere körperliche Wehwehchen gibt mir den Rest. Meine Verspannungen im Nacken sind seit Dezember nicht verschwunden und ich bin im Moment so oft einfach grundlos wütend oder traurig, die Belastungsgrenze ist mehr als niedrig und wenn ich könnte, würde ich gerade den Pausenknopf drücken und ich erstmal zurücklehnen. Einfach ausbrechen, irgendwo hin. Die Sonne macht zwar, dass ich wieder mehr genießen und lachen kann, aber ständig kommt von irgendwo her der Gedanke, dass mir das gerade alles über den Kopf wächst.